Pioneers of Change

Online-Summit 2019

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Franz Nahrada

„Ich bin Sammler von Möglichkeiten.“

KongresspaketSummit-2019-Mockup-1

Franz Nahrada bringt seine IT-Vergangenheit mit soziologischen Inhalten zusammen. Er sieht als Zukunftsforscher und studierter Soziologe Möglichkeiten eine „wiederverdörftlichte“ Zukunft. Dabei geht es ihm um die Verbindung bereits vorhandener Potenziale aus sämtlichen Bereichen zum Wiederaufbau lokaler Lebensräume.

Nicht nur Naturwissenschaftler brauchen ein Labor, sondern auch Soziolog*innen, die im Kleinen ausprobieren, wie Großes möglich wäre. So kreierte Franz ein Forschungslabor für globale Dörfer, das sich sich unter anderem mit Grätzeln, Leerstand in Dörfern und deren Potenzialen beschäftigt. Franz ist auch Urheber des Netzwerkes der Globalen Dörfer (Globales Villages Network), wo Menschen mit unterschiedlichen Interessensgebieten zusammenkommen, um gemeinsam zu lernen wie man lokale Lebenswelten in einer globalen Zeit kreieren kann. Dies durfte Franz bereits in Kroatien und in österreichischen Dörfern (u.a. Kirchberg in der Stmk) erfahren.

Forschungslabor für globale Dörfer

Globales Villages Network

Franz Nahrada auf watchado

 

Möglichkeiten der Technologie:

Marcin Jakubowski - Open Source Ecology

Die HashTags von Franz für die Karte von Morgen:

#oasendeswandels
#globaledoerfer
#kloesterderzukumft

35 Kommentare

  • Irmgard says:

    Lieber Franz Nahrada,
    vielen Dank für die stärkenden Gedanken, die mir Impulse für meine entstehende Vision gab.
    In unserem Dorf in Südwestdeutschland werden ältere Menschen in den umliegenden Städten in Alters- und Pflegeheime untergebracht. Ich bedaure es, dass sie die Heimat/ ihr Dorf verlassen müssen. Das Thema aktives und gesundes Altern im Dorf, das treibt mich um. Den Blick zu weitern und gemeinsam das Thema anzugehen, da folge ich meinem inneren Impuls. Die 8 Intelligenzen könnten mir auch noch Aufschluss geben.
    Danke für die gesamte Initiative. Ganz spannend!!
    Liebe Grüße
    Irmgard

  • Miki says:

    Hallo Ihr Lieben,
    vielen Dank für dieses inspirierende, gutgelaunte Interview, dass ich mir gemeinsam mit unseren Katzen angehört habe!Musste mich zwar etwas anstrengen, Eure herrrrlichen Dialekte zu verstehen(bin Berlinerin), aber das meiste ist gut rübergekommen :))Jetzt muss ich noch die ganzen Links abarbeiten… Danke dafür!!!
    Wir wohnen in einem kleinen Dorf in Südwestfrankreich am Atlantik, das im Sommer regelmässig von gefrässigen Touristenschwärmen überfallen wird, und bemühen uns, gemeinsam mit gleichgesinnten Leuten, die Gegend vor weiteren bekloppten kapitalistischen Bauprojekten und anderen Idiotien zu schützen, was leider nicht ganz einfach ist. Zum Glück gibt es aber auch hier zunehmend mehr Leute, die verstehen, dass es so nicht weitergehen kann und nach neuen Ansätzen suchen, was nicht ganz leicht ist, weil viele eben auch mit Tourismus ihren Lebensunterhalt verdienen, so wie wir auch. Zu sehen,dass an vielen kleinen Orten dieser Welt, immer mehr neue kleine vernetzte Strukturen eines neuen Miteinanders entstehen, finde ich sehr beglückend, wobei ich allerdings finde, dass man nicht vergessen darf, GLEICHZEITIG den bestehenden destruktiven Strukturen den Kampf anzusagen,bzw. ihnen den Nährboden zu entziehen! Beispiel: hier in der Gegend finden alle es sehr schick, bei Gemeinschaftsgartenprojekten mitzumachen, Bio (oft aus dem Supermarkt) zu kaufen und Tawashispülschwämme aus alter Wolle zu häkeln, sind aber nicht bereit zum Ökostromanbieter zu wechseln. Manchmal weise ich deshalb darauf hin, dass uns unsere Gemeinschaftsgärten, Klimaschutzflashmobs(echt 🙂 !)usw. leider auch nichts mehr nützen, wenn das nächstgelegene Atomkraftwerk in die Luft fliegt, das wir mit unserem Konsumverhalten fleissig am Leben gehalten haben, worauf manch einer sehr pikiert reagiert, weil ich ihm den Weltverbessererspass versaut habe!
    Ein ähnliches Schenkkonzept wie das, von dem in dem Interview geredet wird, heisst bei uns übrigens “ COSMIC BANKING“: JEDE/R hat ein Konto bei der kosmischen Bank. Wenn man gerade etwas geben kann(materiell oder nichtmateriell),tut man das, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Der/die Beschenkte gibt jemandem etwas, wenn es ihm/ihr gerade möglich ist, aber eben nicht unbedingt mir, sondern vielleicht ganz woanders zu einer anderen Zeit einer anderen Person ! Oder man gibt eben nix,wenn man nicht kann! Aber manchmal reicht ja auch ein Lächeln oder eine Umarmung!
    Liebe Grüsse mit Meeresrauschen!
    Miki

    • Franz Nahrada says:

      Ja. „Globale Dörfer“ sind im Endeffekt Räume, in denen Beitragen, Teilen, Schenken, Planen, Koordinieren intern wichtiger werden wird als Geld. „Pay it Forward“ ist ein wichtiges Prinzip. je größer und differenzierter unsere Kreisläufe sind, umso besser können wir die kapitalistischen Strukturen draußen halten. Das schließt auch ein, dass wir bewusst zu „fördern“ und zu „investieren“ beginnen, wenn wir ein Potential, ein hohes Talent fühlen. Und dass wir die Menschen Fragen: was ist das höchste Ziel dass Du Dir SELBST gesteckt hast? Willst Du, dass ich Dich ab und zu daran erinnere?

      Ich habe hier was dazu zu schreiben begonnen:

      http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?FranzNahrada/JenseitsVonTauschUndGeld

      Ja wenn ich Zeit gehabt hätte wäre draus schon längst ein Buch geworden. Aber wer weiß? Vielleicht sitzen wir einmal in Südfrankreich, das Meer rauscht, und wir stricken weiter an diesen Ideen ….

      • Miki Neuhaus says:

        Klar, falls Du mal in der Gegend bist, komm gerne auf einen Kaffee oder Kräutertee rein!!! Wir wohnen in Messanges in Les Landes und heissen Neuhaus. 🙂

  • Hannah Prinz says:

    lieber franz,

    danke für deinen bereichernden und für mich inspirierenden beitrag! es hat mir schwung und freude gegeben meine vision weiter voran zu bringen. mein wunsch sind veränderungen im gesundheitswesen. aus diesem grund habe ich mit 45 jahren noch begonnen zu studieren. nach dem hören des interviews ist der wunsch nach austausch mit anderen sehr stark geworden. ich würde mich gerne mit anderen austauschen und ideen und umsetzungsmöglichkeiten diskutieren. aber wie und wo finde ich diese anderen???

    liebe grüße
    hannah

    • Franz Nahrada says:

      Ich habe heute mit Martin telefoniert, und auch noch einmal gratuliert dass der den Helmut Wolmann an die Spitze des heurigen LineUps gestellt hat. Ich habe gemeint, dass ALLE regionalen Treffen der Freunde des Online Kongresses ermutigt werden sollten, die „Karte von Morgen“ zu befüllen. Auch mit einzelnen Menschen die sich für ein Thema interessieren. Das Tag System ist dafür flexibel genug,

  • Claudia says:

    Eine BIBLIOTHEK DER ZUKUNFT! Ich bin grad so voll von all den wunderbaren Intwervies und versuche im Kopp (und Herz ) immer mehr Raum zu schaffen damit alles Platz findet 😉 . Es gibt jeweils Ideen die sind so mega groß gedacht, dass ich mich echt nur verneigen kann. Und gleichzeitig mit einem „BÄNG – DAS ist es!!!“ breits verinnerlicht . Mehr kann ich jetzt noch nicht beitragen, aber raustragen, an Nachbarn, Freunde, … DANKE Franz für diese Vision!!!!

    • Franz Nahrada says:

      Ja Claudia. Wenn Du eine solche aufbauen willst: Ich hätte da eine zu vergeben. Josef Kreitmayer hat die Zukunftsbibliothek die er aufgebaut hat (oder die Reste davon) mir zur Aufbewahrung übergeben. Wer immer ein plausibles Konzept vorlegt kann sie haben – und vielleicht noch mehr !!!

      Ja, und es ist kein Widerspruch, megagroß zu denken (ich denke wir müssen einen planetaren Plan haben) und dann ins ganz Kleine zu gehen. Denn das ist der Plan. Unser Planet wird eine Million mal größer, wenn wir begreifen, dass unser kleiner Raum alles enthalten kann was sich der Mensch nur erträumen kann. Wir müssen das nur gestalten lernen!

    • Lilian says:

      …eine Bibliothek der Zukunft, wie super! Es macht Mut, von einem „Sammler der Möglichkeiten“ zu erfahren! Und von all den anderen aktiven Leuten! Ich wünsche allen viel Kraft und Zuversicht zum Weitermachen!!!

      …toll fände ich auch eine Uni der Zukunft: ein frei zugänglicher Ort des Lernens, ähnlich einer Mischung aus Bibliothek und Uni. Alterseinschränkungen gäbe es nicht, es ginge allein um die Interessen, die eine Person hat. Es wäre normal, wenn sich z.B. 50jährige zum Medizinstudium entschlössen. Das Lernen bliebe nicht beschränkt auf die Dozenten, sondern würde ergänzt durch Vorträge der TeilnehmerInnen, die ja auch Spezialisten auf gewissen Gebieten sein können (im Sinne vom Bridging und Gemeinschaftsprojekt). Prüfungen und Abschlüsse könnten dann gemacht werden, wenn man die nötigen Kenntnisse hat und nicht erst nach Zwangsabsolvierung bestimmter Kurse. Diese reale „Erkenntnisplattform“ wäre verknüpft mit anderen auf der ganzen Welt, so dass auch ein kleiner Raum irgendwo anders Teil dieser Uni sein könnte…

      • Wow… Habe deine Idee gleich meiner Tochter vorgelesen, die das genauso sieht, aber noch nicht so zukunftsorientiert formuliert hat. Danke für diesen Beitrag. Lilian und auch für das super Interview von Franz!! Ich fand ihn sehr bereichernd. Danke!

  • Dieses Interview mit Franz Nahrada hat mich jetzt total inspiriert. „Sammler von Möglichkeiten“ – wunderbar.Ein unglaublich lebendiger, lebens- und hoffnungsfroher Beitrag. Ganz herzlichen Dank!

    • Franz Nahrada says:

      Danke Dir, Anne! Du bist schon in Deiner Vielfältigkeit eine Super – Brückenbauerin und ich hoffe dass ich mal nach Warburg komme und Eure Transition Initiative kennenlernen kann!

  • Joško Vlasich says:

    Hallo, Franz,
    danke für diese wunderbare Bereicherung meines Frühstücks. Ich habe dich vor etwa einem Jahr bei D.Stern kennengelernt und war damals schon sehr angetan davon, was du über das digitale Dorf und die Zubringung von schnellem Breitbandinternet in unsere kleinen Dörfer erzählt hast (nicht warten auf die da oben, selber anpacken). Heute ist ein BürgerInnentreffen, um über das Glasfaserinternet zu reden und informiert zu werden. Die Gemeinde ist bereit aus dem Nachbardorf das Glasfaserkabel gemeinsam mit dem Betreiber zu uns zu holen. Den Input hast du mir damals gegeben 🙂
    Ja, und zu dem Bridging und Bonding: auch wir in unserem interkulturellen Haus „KUGA“ neigen dazu, uns in einer Blase zufrieden zu geben. Bridging ist angesagt! Danke und liebe Grüße
    Joško

    • Franz Nahrada says:

      Wow. Ich freu mich riesig. So hats ja in St.Martin im Lainsitztal auch begonnen – und heute ist das gesamte nordwestliche Waldviertel bereits glasfaserverkabelt. 100 MB öffentliche Datenautobahn zu jedem Hof!
      Wir haben bald keine Ausreden mehr, in unseren städtischen Büros sitzenzubleiben. 🙂

      Wie Euch mit der KUGA gehts uns mit dem Pavelhaus in Radkersburg. Aber interessanterweise kommt dann ein Moment wo sich alles umkehrt. Wo die Interkulturelle Kompetenz auch ganz wichtig für die Zukunft der Gemeinde wird. Näheres beim nächsten Besuch in Großwarasdorf !

  • Kerstin says:

    Lieber Franz und lieber Martin,

    Ich muss gestehen, ich erkenne mich wieder in dem „Bonding“ statt „Bridging“ (bei mir geht es oft mehr dahin) und das war ein neuerlicher Weckruf. Etwas mehr raus noch aus der Komfortzone. Irgendwas funkt grad bei mir, auch wenn´s noch ein kleines Licht ist.
    Zu mehr ist grad leider keine Zeit, aber den allerherzlichsten Dank für das Feuerwerk an Puzzlesteinen.
    Vielste liebe Grüße von Kerstin

    • Franz Nahrada says:

      Liebe Kerstin,

      das Bonding ist auch viel leichter als das Bridging. Deswegen brauchen wir Tools, Rückendeckung und Sicherheitsnetze, wenn wir das letztere wagen. Ich bin auch grad dran, nachdem ich in einer Kleinstadt gelandet bin. Aus Transition habe ich viel gelernt, aber wir müssen uns doch jedesmal der lokalen Situation anpassen.
      * Kannst Du gute, geachtete Menschen in Deiner Gemeinde ausmachen die Dir Rüchendeckung geben?
      * Findest Du ein Thema, mit dem Du Menschen aus anderen „Blasen“ ansprechen kannst?
      * Hast Du eine Kompetenz, die Dir zu Respekt verhilft?

  • Elisabeth says:

    Lieber Franz!
    Herzliche Gratulation zum Interview und Dank für alle Inspirationen, die ich von Dir über so viele Jahre geschenkt bekommen habe. Im Interview mit Herrn Rohrmoser gab es den schönen Begriff vom „Hinauf scheitern“. Davon können wir beide ein langes Lied singen. ;)) Ich wünsche Dir weiterhin einen unerschöpflichen Vorrat an Hoffnung und Visionen verbunden mit vielen Menschen, die sie mit Dir gemeinsam realisieren. Am 29. April erzähle ich in der Barbara Karlich Show (bitte nicht lachen) von den neuen Möglichkeiten, die man auch als Pensionistin in Osttirol hat, weil man zu Hause von Unis in aller Welt profitieren kann. Auch wenn der Campus Osttirol nicht das geworden ist, was wir uns erhofft haben. Die UNI ZU HAUSE Seite habe ich in den Dienst der weltweiten United Religions Initiative gestellt und sammle Online Wissen im Bereich Weltreligionen, Spirituatlität und Philosophie. Alles Gute. Elisabeth

  • mirco pre says:

    High~Low Tech Dorf = Strohballenhäuser und Wlan
    Einen Brunnen mit Wasserleitungen
    Technik ist wohl das größten !geistige! Hindernisse Pro Venus Projekt, Jacque Fresco.

    …Yea, heute reicht es vielleicht nicht mehr, „nur“ der Wandel zu sein den ich in der Welt erleben möchte,
    sondern lokale Teams (Gemeinden) zu kreieren,
    denn in so einer sich unterstützend, tragenden Gemeinschaften möchte man auch alt werden,
    da man überall gebraucht wird.
    „Der nächste Buddha ist vielleicht eine Gemeinschaft“
    ~Thich Nhat Hanh

    Vielen Dank für das wertvolle, lebendige Gespräch Euch beiden!

    PS: Menschen verbinden die zusammenSEIN sollten ist so wundervoll.
    Grüße aus dem Zukunftsbüro/ (Ruhrpott) in Vorfreude auf ein Zukunfts~Bibliothek~Treffen

    • Franz Nahrada says:

      Du sprichst mir aus der Seele. !!!

      • Franz Nahrada says:

        Aber es stellt sich schon die Frage: welche Technik? es gibt eben keine notwendig sich entwickelnde Technologie, die Technik die wir haben ist das Resultat vieler (oft bedenklicher) Entscheidungen. Ich hab grad diesen Text für die KHG Graz geschrieben und gestatte mir die Wiedergabe:

        Ich kann mich gut erinnern, es war Anfang der achziger Jahre. Ich konnte es kaum fassen dass eine Notiz in der BTX (=Bildschirmtext) Box 7, jenem legendären Versuchssystem aus Graz, sofort im ganzen Land gelesen werden konnte. Es war, als hätte ich (und die paar anderen, die das System damals nutzen) so etwas wie der ORF mit seinem Teletext für meine höchst privaten Botschaften! Wenig später schloss ich mich der Apple Revolution an, lernte mit HyperCard spielend einfach programmieren, Daten organisieren, komplexe Vorgänge automatisieren und auf diese Weise auch neue Künste auszuüben. Mein Freund KarlHeinz Essl schrieb ein Programm, das uns bis zum Ende aller Tage mit immer neuen interessanten Klängen versorgt – einfach gratis! Ich begann zu träumen, von einer Welt, in der die Menschen von jedem Ort der Welt auf Wissen und Können der gesamten Welt zugreifen können, es modifizieren und verbessern. Ich organisierte User Groups und lernte, dass es eine vollkommen neue Form der Koooperation gibt: man stellt eine Frage im virtuellen Raum eines Internetforums, und von irgendwo gibt irgendwer die Antwort. Ohne Mühe, ohne Zwang, einfach weils gerade Spaß macht. Ich fühlte mich mit einer Welt von Gleichgesinnten verbunden und dachte: diese Welt würde sich eines Tages bis ins hinterste Dorf ausbreiten, die Unwissenheit und den Aberglauben beseitigen, Lösungen für so gut wie alle Probleme bereitstellen und damit auch den Druck der Lohnarbeit beseitigen. Denn mittlerweile entstand auch eine Technik der dezentralen Automatisierung, der Integration der Dinge zu einem Zusammenspiel in Vernetzung. Interessanterweise entdeckte ich, dass dieses Vernetzungsdenken auch unser Naturverhältnis revolutionierte. Permakultur, Aquaponik, „lebende Maschinen“: all das könnte mit unserem Wissens-, Wahrnehmungs-, Produktions- und Steuerungssystem zusammenfließen. Unser Leben in großen organischen Häusern und Dörfern, eingebettet in Kulturlandschaft, begann mich zu beschäftigen und meine Phantasie herauszufordern. Ich fühlte mich versucht, von einem Gottesgeschenk zu sprechen.

        Jedenfalls bis zu dem Moment, wo ich merkte, dass sich ein unwillkommener Geist in der wachsenden digitalen Welt breit zu machen begann. Dieser Un-Geist war der der Bewirtschaftung. Die gerade möglich gewordene Perspektive des freien Austausches von Anwendungen, Programmcodes, Bildern, Musik, Filmen wurde verunmöglicht durch Urheberrechtsklagen und Lizenzen. Der Geist der potentiell unendlich mächtigen kooperativen Eigenarbeit wurde wieder in die Flasche verbannt, Informationswaren traten an seine Stelle. Die sinkenden Erträge aus der materiellen Produktion sollen kompensiert werden durch das Verbot, Wissen und Information zu teilen, zu verändern, zu verbessern. Wer relevantes Wissen sein „intellektuelles Eigentum“ nennt, hat Macht über andere und eine Einkommensquelle wie ein Feudalfürst. Abhängigkeit und Kundenbindung greifen aber erst dann so richtig, wenn vom Betriebssystem aufwärts permanent alles permanent erneuert und neu bezahlt werden muss. In dieser Atmosphäre von zerstörtem Vertrauen und Verlässlichkeit wächst auch die Internet – Kriminaltät, ein Teufelskreis führt zu immer mehr Regulation, Kontrolle und Überwachung. Wer noch geglaubt hat, Wirtschaft sei dazu da uns mit nützlichen Dingen zu versorgen, der wird eines besseren belehrt. Wir werden überflutet mit unnützen Memen.

        Wie die Geschichte ausgeht, wissen wir nicht. Aber ich will es nicht akzeptieren, dass das Gottesgeschenk dazu geführt hat, dass sich der Kommerz in Lichgeschwindigkeit multipliziert und wir ohnmächtig danebenstehen. Lieber lenke ich meine Aufmerksamkeit zu den vielen, die bewusst begonnen haben, Information sinnvoll zu ordnen und zum Gemeingut zu machen wie es vor tausend Jahren die kirchlichen Orden getan haben.

        • Ich muss weinen, weil du mir so aus dem Herzen sprichst. Danke, wie gut du das ausdrückst. Ich fühle mich so geborgen darin, mich der internet Technik, vor der ich mich aus solchen Gründen immer ein wenig fürchte, doch vertraut machen zu können.

      • mirco pre says:

        Hey Franz,
        wie kommen wir virtuell zusammen, damit wir uns mal Live sehen können?
        Facebook oder Mailen?
        Facebook FA ist raus.

        Liebe Grüße
        und lieben Dank für deine schöne Antwort!

  • ursula says:

    Hallo Franz Nahrada, ich habe bis zum letzten Jahr etliche Jahre auf Kreta im wunderschönen Süden (wo kaum Tourismus ist) gelebt. Im gesamten Umkreis werden die Dörfer immer leerer. Wenn die Häuser nicht von Ausländern gekauft werden, drohen viele von ihnen einfach zu verfallen. Liebe Grüße Ursula

    • Franz Nahrada says:

      Hallo Ursula, ich war auch öfters in dieser Gegend, und finde diese Dörfer wie Sougia oder Lentas wunderschön. Kreta ist ja eher ein kleiner Kontinent als eine große Insel, und die Abgelegenheit kann dort auch manchmal ihre sehr negativen Seiten offenbaren. In den letzten Wochen kamen Wetterextreme dazu, die zu allem Überfluss besonders im Westen die Verkehrswege unpassierbar machten und wahrscheinlich den Erosionsprozess extrem beschleunigen werden. Und dann muss ich an einen anderen „Südbalkon“ im Mittelmeer denken, nämlich an die Südküste von Zypern, und ich denk mir wie verrückt läuft unsere Welt. Was ein Ort zuwenig hat, haben andere Orte zuviel. Und dann schotten wir unseren Kontinent noch ab, der Bürgermeister von Riace in Kalabrien wird kriminalisiert weil er ein Dorf mit MigrantInnen gerettet hat. Es besteht eindeutig ein Bedarf an sinnvollen Modellen !

  • Johannes says:

    So ein schönes Gespräch! Ich bin beeindruckt, was von den Visionen von Franz schon dabei ist, Realität zu werden! Spannend auch von Open Source Ecology zu erfahren und von so vielen anderen Dingen! Erheitert hat mich auch noch die Sequenz über Karl Marx… 🙂 DANKE DAFÜR!!!

    • Franz Nahrada says:

      Hi Johannes. Ich staune auch über die Geschwindigkeit mit der vieles real wird. Leider ist gerade die soziale Innovation immer noch hintendrein, und ich würde mir wünschen, dass grad viele Leute die ihren Marx studiert haben endlich auch begreifen, dass neben der Kritik eben auch Gestaltungs- und Entwurfsdenken benötigt wird . Zusammen wäre das unschlagbar!

  • Tobias says:

    Mir gefällt dieses Bild von einem globalen Netzwerk aus regionalen Netzwerken enorm. Danke Euch

  • Lieber Franz

    Ja, wundervoll, du bist ein richtiger Praktiker! Da passiert was in der Welt – Beispiele, die wir sichtbar machen können!

    Open source ecology gibt es auch schon in Deutschland: https://opensourceecology.de/
    Auch zu „Opene Eco Labs“ gibt es unter https://kartevonmorgen.org/#/?center=50.247,10.481&zoom=6.00&categories=company,initiative&search=%23openecolab bereits eine Karte.

    Kommst du zum Makers 4 Humanity Lab zu Pfingsten? Ich würde mich sehr freuen, dich zu treffen! http://www.makers4humanity.org/m4h-lab2019.html

    Eine ähnliche Idee wie das Studienhaus ist auch #UnaVision: https://kartevonmorgen.org/#/?center=50.247,10.481&zoom=6.00&categories=company,initiative&search=%23UnaVision WEb: http://www.unavision.eu/wiki/display/unavision/unaVision

    Lieben Gruß
    Helmut

    • Franz Nahrada says:

      Danke für das hohe Kompliment!
      1. OSE Deutschland: ja, die entwickeln sich prächtig. Wir brauchen auch mehr Open Land Labs.
      2. Es gibt leider eine spannende Konkurrenz zu Pfingsten und ich musste mich entscheiden:
      https://symposium.rueckenwind.coop/
      3. Unavision habe ich ein wenig mitgeboren und -begleitet, es ist nachwievor ein Herzensprojekt von mir.

  • Übrigens, ich fand ganz großartig dass der Helmut Wolmann im Rahmen des Kongresses zum extensiven Gebrauch der „Karte von Morgen“ aufgerufen hat. https://pioneersofchange-summit.org/slp/helmut-wolman/
    Solltet Ihr Euch beteiligen wollen: meine Wunschtags wären
    #globaledoerfer – Gemeinden, die gezielt globalen Wissensaustausch für lokale Entwicklung einsetzen
    #oasendeswandels – Häuser, Höfe. Projekte, die einsteigen in die Regionalentwicklung und an sich selbst demonstrieren, wie der Wandel aussieht.
    #kloesterderzukunft – Orte des tiefen Reflektierens, der beständigen Wissens- oder Entwicklungsarbeit, die einer Berufung folgen und – mit Hilfe eienr gemeinschaft von Gleichgesinnten – gegen die „Fremdbestimmung durch uns selbst“ unsere höchsten Potentiale zur Wirkung und Entfaltung bringen.

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